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8. Nano und Material Symposium Niedersachsen 2015 in Kooperation mit der Salzgitter AG und der Volkswagen AG

14.12.2015 | Artikel der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH

8. Nano und Material Symposium Niedersachsen 2015 in Kooperation mit der Salzgitter AG und der Volkswagen AG

 „Material- und Prozessinnovationen für eine ressourcenschonende Mobilität“ - 140 Experten diskutieren in Salzgitter Perspektiven u. a. im Leichtbau

Anlässlich der Jahresveranstaltung des NMN e.V. versammelten sich mehr als 140 Teilnehmer am 25. und 26. November im Gästehaus der Salzgitter AG. Das Symposium stand unter dem Oberbegriff „ressourcenschonende Mobilität“ mit den Kernthemen „Neue Materialien“, „Oberflächen“ und „Leichtbau“. Auftakt und Einstieg bildeten die exklusiven Führungen durch das Werk der Salzgitter Flachstahl sowie durch das Werk der Volkswagen AG in Braunschweig.
 
Salzgitter Flachstahl und die Volkswagen AG in Braunschweig waren Kooperationspartner des Symposiums mit dem Leitthema „Material- und Prozessinnovationen für eine ressourcenschonende Mobilität“. 
Das Fachprogramm des 26. Novembers wurde eröffnet von Ulrich Grethe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Salzgitter Flachstahl, und Dr. Holger Manz, Leiter Entwicklung Batteriesysteme und Fahrwerk bei Volkswagen Braunschweig. Mit ihren Plenarvorträgen gaben Sie einen umfassenden Überblick zu „Stahl – der Werkstoff für heute und morgen“ (Ulrich Grethe) sowie zu „Leichtbautechnologien der Zukunft – Symbiose aus Innovation und Wirtschaftlichkeit“ (Dr. Holger Manz). Auch Roger Krüger, verantwortlich für die Bereiche Automotive, Luftfahrt, Leichtbau im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, betonte in seinem Grußwort, vertretend für Minister Lies, die Innovations- und Wirtschaftskraft der Mobilitätsindustrie in Niedersachsen und hob dabei besonders die darin verankerten Kernthemen „Leichtbau“, „Neue Materialien“ und „Oberflächen“ hervor. Diese bildeten auch den Fokus des NMN Symposiums und wurden mit 20 Fachbeiträgen in 3 Parallelsessions diskutiert.

In zwei Sessions waren auch Vorträge von der Salzgitter AG vertreten.
 
In der Session „Neue Materialien“, moderiert von Dr. Frank Klose, Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH, und Prof. Dr.-Ing. Hans Jürgen Maier, Institut für Werkstoffkunde Leibnitz Universität Hannover, präsentierte u. a. Dr. Joachim Schöttler, Salzgitter Mannesmann Forschung „Vergütungsfähige Stähle für hochbeanspruchte Bauteile neuester Fahrzeugserien“. In seinem Vortrag erläuterte er die  Eigenschaften und Vorteile der luftvergütbaren Stähle der Salzgitter Flachsstahl. Die Güten RobuSal®800 und RobuSal®900 sind im weichen Lieferzustand sehr gut umformbar und können zu hochkomplexen Bauteilen verarbeitet werden. Der Stahl lässt sich darüber hinaus komfortabel und prozesssicher schweißen und oberflächenveredeln. Bedingt durch das ausgefeilte Legierungskonzept zeigen die RobuSal®-Stähle nach dem Härten mit Abkühlung an Luft ein hochfestes martensitisches Gefüge. Als fertiges Bauteil sind sie daher sehr fest, gewährleisten größtmöglichen Insassenschutz bei hoher statischer und dynamischer Belastung im Betrieb wie auch im Crashfall, und erfüllen gleichzeitig die Anforderungen an eine leichtere Bauweise. Damit sind RobuSal®-Stähle moderne Alternativen zu hoch- und höchstfesten Stählen. Im Vergleich zu diesen Werkstoffen wie auch zu Aluminium und anderen Leichtmetalllegierungen bieten Bauteile aus RobuSal®-Stählen deutlich höhere Festigkeiten. Dies ermöglicht es, die Blechdicke erheblich zu verringern. RobuSal®-Stähle der Salzgitter Flachstahl kombinieren damit die aktuellen Anforderungen an automobile Werkstoffe hinsichtlich Sicherheits- und Leichtbaupotenzial. Eine Lebenszyklusanalyse hatte darüber hinaus gezeigt, dass die Stahlvariante deutliche Vorteile gegenüber einer alternativen Aluminium-Druckguss-Variante in Bezug auf die Umweltverträglichkeit aufweist.

In der Session „Oberflächen“ unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Günter Bräuer, Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST, und Dr. Thorsten Reier, Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH, stellte u .a. Dr. Martin Bretschneider, Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH „Innovative Oberflächenfeinstrukturen“ vor. Im Fokus seines Vortrags standen innovative Oberflächenstrukturen, an die besonders in der Automobilindustrie im Karosseriebau für Innen- und Außenhautteile höchste Ansprüchen gestellt werden. Blechverarbeiter nutzen Feinblech in Prozessen wie z. B. Umformen, Kleben und Lackieren. Auf diese Prozesse hat die Oberflächenbeschaffenheit des Blechwerkstoffes einen großen Einfluss. Diese Oberflächenbeschaffenheit wird typischerweise mit 2D-Rauheitskennwerten wie der mittleren Rauheit Ra und der Spitzenzahl RPc spezifiziert. Diese definierte Oberflächenstruktur wird bei der Salzgitter Flachstahl im Rahmen des verbesserten Pretex®-Verfahrens mit texturierten Arbeitswalzen auf das Feinblech übertragen. Die Oberflächenstruktur der Arbeitswalzen basiert auf vielen stochastisch verteilten harten Kugelkalotten als Texturelement, die in einem galvanischen Beschichtungsprozess auf den Arbeitswalzen abgeschieden werden. Durch variierende Parameter dieses Beschichtungsprozesses können eine unterschiedliche Anzahl und Größe dieser Kalotten erzeugt werden.

In einer Übersicht über mögliche Oberflächen mit den zugehörigen Kennwerten zeigte Dr. Bretschneider die Vielfalt dieser Oberflächenfeinstruktur auf. Versuche an Feinblechen mit unterschiedlicher Oberfläche zeigen den Einfluss auf die Prozesse der Blechverarbeiter. Mit dem Verfahren Pretex®focar® kann die Oberflächenfeinstruktur gezielt für diese Kundenanwendungen optimiert werden.

Das Symposium als Jahresveranstaltung des Nano- und Materialinnovationen Niedersachsen (NMN) e. V. hat das Ziel, die drei Leitthemen „Neue Materialien“, „Leichtbau“ und „Oberflächen“ sowie die damit verbundenen Prozesstechnologien weiter voran zu treiben. Die Themen haben zudem enormes technologisches und wirtschaftliches Potential für aktuelle niedersächsische Zukunftsfelder wie Mobilität und Energie.